Die Diskussionen um die beiden Agrar-Initativen (Abstimmung vom 13. Juni 2021) sind in vollem Gange. Sie stimmen uns sehr nachdenklich - unser Wechselbad der Gefühle zwischen Weinen und Lachen ist sehr gross.

Wir sind "überrascht", wer alles worüber Bescheid weiss und mit welcher Ignoranz und Aggressivität die teilweise eher flachen Argumente daher kommen.


Zitat eines Berufskollegen: "Es macht den Anschein, als ob wir Bauern die Umweltsünder schlechthin seien, die mit antiquierten, zuweilen brachialen Methoden auf dem Buckel der letzten Ressourcen und der letzten paar verbliebenen Tierarten die Endzeit einläuten. Immerhin werden wir "Menschenvergifter mit billigem Whataboutismus" oder "Umweltverpester"genannt, um nur zwei Schimpfworte der letzten Tage zu nennen."


Es gibt in der Schweiz alles und jedes zu kaufen! IP-Suisse, Bio, Demeter und was es sonst noch alles für Labels gibt - jederzeit und überall. Und wenn nicht wird importiert.


Erlebnisse in Hofläden:

- Was? Die haben ja kaum Gemüse! Komm wir gehen in den Grossverteiler XY - der hat dann Blumenkohl, Zucchetti und fürs Dessert brauche ich doch eh noch frische Beeren (gehört im Januar).

- Ach nö, dieser Kopfsalat ist so klein. Das will ich nicht (wohlbemerkt: der Salat wurde als "2. Klasse" deklariert und für einen Franken das Stück verkauft).


Was sagt uns das: Die Frage ist nämlich nicht was wir nach diesen Abstimmungen im Regal haben werden, das wird, wie bisher, die Nachfrage bestimmen und die wird sich kaum verändern.


Das Konsumverhalten müsste nach dem was predigt wird verändert werden. Und dies konsequent!


2 x Nein zu den extremen Agrar-Initativen!


  • Nicht nur die Landwirtschaft wäre betroffen – auch Bäckereien, Metzgereien und die Gastronomie!
  • 40% der in der Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmittel sind bereits aus natürlichen Wirkstoffen.
  • 64.8 t Industrie- und Haushaltschemikalien, 19.8 t künstliche Süssstoffe und 16.9 t Arzneimittel fliessen jedes Jahr den Rhein hinunter – dem gegenüber: 0.9 t Pflanzenschutzmittel.
  • Eine intakte und gesunde Umwelt ist Grundlage unserer Arbeit.
  • Bei einer Annahme würden Lebensmittelimporte zunehmen.
  • Die Lebensmittel würden teurer, da die Produktionskosten in der gesamten Wertschöpfungskette steigen würden.
  • Viele könnten sich die verteuerten Schweizer Gemüse, Früchte, Eier, Fleisch oder andere pflanzliche Produkte nicht mehr leisten. Dies würde sich negativ auf ihre Gesundheit auswirken.
  • Die Trinkwasserqualität in der Schweiz ist im weltweiten Vergleich hervorragend. Pro Tag müssten 150 Liter Wasser pro kg Körpergewicht getrunken werden, um auf eine bedenkliche Dosis zu kommen. Bei einer 80 kg-Person wären das 12'000 Liter Wasser pro Tag!
  • Wir setzen Pflanzenschutz gemäss den gesetzlichen Grundlagen ein. Jede Pflanze braucht Schutz.
  • Im Vergleich mit Deutschland setzen wir 42% weniger Pflanzenschutzmittel ein.
  • Rückstände bei importierten Lebensmitteln sind bis zu fünfmal höher als bei uns.
  • 86% des Futters für Nutztiere stammt aus der Schweiz.
  • Speziell zur Fütterung der Schweine und Hühner sind wir auf Importe angewiesen. Wir importieren aber nur gentechfreies Futter.
  • Die Landwirtschaftsbetriebe dürfen nicht mehr Nährstoffe ausbringen, als Pflanzen für ihr Wachstum benötigen. Wir, Marti Gemüse- und Ackerbau, ersetzen durch unseren Hühnermist und der eigenen Wegrandkompostierung den Handelsdünger.
  • Die Landwirtschaft stellt 165'000 Hektaren Biodiversitätsförderflächen zur Verfügung.
    In der Schweizer Landwirtschaft gilt der Grundsatz: «Antibiotika als Heilmittel: Ja. Antibiotika als Prophylaxe: Nein.». Der Einsatz in der Nutztiermedizin hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert.
  • Dies würde 30% weniger regionale Lebensmittel bedeuten, da viele Kulturen nicht mehr angebaut werden könnten.


2 x Nein zu den extremen Agrar-Initativen!


Sehr lesenswert! finden wir diesen Artikel.